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Ich brauche meine Krippe

Karl Schmidt

An manchen dieser Weihnachtstage ist unsre Krippe unterm Christbaum beinahe chaotisch strukturiert und total kurios sortiert. Nicht immer findet man Josef am richtigen Platz im Stall. Mal steht er bei den Hirten mitten unter den Schafen, mal hat er sich sogar hinter  den Stall verzogen. Maria liegt zuweilen an der Seite von den drei Weisen aus dem Morgenland, und der abgebrochene Schwanz vom Esel ist versteckt im Heu beim Kind im Futtertrog. Entlaufene Schafe entdeckte ich in der Puppenstube, drei Meter entfernt von Bethlehems Weidelandschaft, und das kleine Jesuskind samt Heu und Stroh hat es tatsächlich zwei Tage nach seiner Geburt bereits auf das Dach des Stalls geschafft. Selbst ein kleiner Eisbär aus irgendeiner Spielzeugschachtel ist offenbar dem Stern über der einfachen Hütte gefolgt. Ja, kurios und fast abenteuerlich geht es zu in unserer Krippe, wenn Enkelkinder bei uns Weihnachtsurlaub machen. Allein diese täglich neuen szenischen Einzelheiten aus der Regie von Kinderhand macht eine Krippenbetrachtung spannend und unterhaltsam zugleich. So manches lässt sich tatsächlich auch noch für uns vermeintlich erwachsene Weihnachtsexperten daraus lernen. Grund genug, die Krippe unterm Christbaum zu haben.

Aber dann gibt es noch einen weiteren Grund. Wenn es nämlich wieder stiller geworden ist nach einigen weihnachtlichen Familientagen in unserem Haus, wenn sich Zeit und Ruhe in den ersten Tagen des neuen Jahres einstellen, dann, ja dann brauche ich die Krippe für mich ganz persönlich. Die Krippe, deren Figuren wir miteinander in der Familie vor vielen Jahren aus heimischem Ton gefertigt haben. Gerade deshalb ist sie mir so wichtig und bedeutungsvoll. Sie ist aus Tonerde gemacht und gehört ganz zur Erde, wie wir alle mit allem, was wir sind, ganz zu dieser Erde gehören. So sitze ich also oft lange und still an dieser Krippe, und sie sagt mir zum Anfang eines neuen Jahres, dass mein irdischer Weg in allen kommenden Tagen begleitet ist von einem Gott, der alles Irdische in dieser Welt und auch an mir über alle Maßen liebt. Sie erzählt mir ohne Worte und doch unüberhörbar von einem Gott, der selbst in allem Irdischen zu finden ist. Alles, aber wirklich alles, atmet seine Gegenwart. Auch dann noch, wenn längst kein Weihnachtsglanz mehr übrig ist, und die Krippe gut verpackt im Keller ihr Depot gefunden hat.

                                                                                           Karl Schmidt  

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