Bedarfsgemeinschaftscoaching der Regionalen Diakonie Westerwald hat künftig fünf Mitarbeitende
Eine Stütze, wenn Menschen das Leben zu schwer ist
bon
17.03.2025
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Schicksale hinter Fachbegriffen
Shahin Alipour, Viktoriia Fedorenko und Daniela Weller-Brähmer. Sie sind Teil des Teams, das künftig den gesamten Westerwald betreut. Das Bedarfsgemeinschaftscoaching hat das Ziel, Menschen zu unterstützen und zu begleiten, die bisher nicht am Arbeitsmarkt teilnehmen können. Langzeitleistungsbezug nennt sich so etwas. Ein Fachbegriff, hinter dem sich oft Schicksale verbergen: Die Betroffenen sind aufgrund gesundheitlicher Probleme, psychischer Belastungen oder Schicksalsschläge nicht mehr in der Lage, einem geregelten Alltag nachzugehen – geschweige denn: einen Job anzutreten.
Vertrauen schaffen
„Unser erstes Ziel ist es, die Situation zu verbessern, in der sich diese Menschen befinden und Hindernisse auszuräumen, die der Verbesserung im Wege stehen“, sagt Gabriele Crezelius, Bereichsleitung im Bedarfsgemeinschaftscoaching der Regionalen Diakonie Westerwald. Das kann die Unterstützung bei Behördengängen oder -schreiben sein, die Hilfe beim Verfassen eines Lebenslaufs oder der Bewerbung oder die Flut an unerledigter Post zu ordnen, das sie bewältigbar wird. Die Mitarbeitenden besuchen ihre Klienten zuhause – in deren vertrautem Umfeld. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass diese Besuche Vertrauen schaffen“, glaubt Astrid Burkardt, Mitarbeiterin des Bedarfsgemeinschaftscoachings. Vertrauen ist wichtig, insbesondere wenn Kinder zu den Bedarfsgemeinschaften gehören. Deshalb kümmert sich das BGC-Team auch um deren schulische und soziale Versorgung. „Wichtig ist uns, dass wir unsere Klienten weder kontrollieren noch entmündigen“, unterstreicht BGC-Mitarbeiterin Silvia Brunner. „Wir wollen sie aktivieren, damit sie selbst aktiv werden. Wir geben ihnen also Hilfe zur Selbsthilfe. Bei manchen reicht tatsächlich ein kleiner Schubs. Andere begleiten wir über Monate – mitunter sogar länger als die höchstens vorgesehenen zwölf Monate.“
Freude über neue Aufgabe
Um vom Bedarfsgemeinschaftscoaching unterstützt zu werden, müssen die Menschen mindestens 21 von 24 Monaten Bürgergeld bezogen haben. Dann weißt ihnen das Jobcenter einen Betreuer des BGC zu. Insgesamt gibt es im gesamten Westerwaldkreis seit Januar fünf. Die drei neuen Mitarbeitenden freuen sich über diese Aufgabe. Zum Beispiel für Shahin Alipour: „Ich helfe gerne anderen Menschen. Dann fühle auch ich mich besser“, sagt er. Viktoriia Fedorenko betreut unterdessen viele ausländische Klienten. Sie selbst kommt ebenfalls aus der Ukraine und hält ihre Arbeit für wichtig. „Ich wünsche mir, dass diese Leute nicht mehr nur in ihrer Wohnung bleiben, sondern ein Teil unserer Gesellschaft werden“, sagt sie. „Ich hoffe, dass ich andere durch meine Arbeit inspirieren kann – und zeigen kann, dass Integration bedeutet: die Sprache zu lernen, aber auch im Chor zu singen, andere Menschen zu besuchen, an besonderen Aktionen teilzunehmen.“
Vielschichtig und flexibel
Die dritte Neue im Bunde, Daniela Weller-Brähmer, schätzt an ihrem Job besonders die Wertschätzung, die sie von vielen KlientInnen erlebt. „Diese Dankbarkeit, die ich oft erlebe, die ist schön“, sagt sie. „Und der Beruf ist sehr vielschichtig und flexibel. Manchmal besuche ich die KlientInnen abends, manchmal bin ich mit ihren Kindern morgens in der Schule. Das ist sehr abwechslungsreich und macht mir großen Spaß.“
Förderer des BGC
Das Bedarfsgemeinschaftscoaching Westerwald ist ein Projekt der Regionalen Diakonie Westerwald. Gefördert wird es durch den Europäischen Sozialfonds Plus (ESF Plus), das Jobcenter Westerwald sowie vom rheinland-pfälzischen Ministerium für Arbeit, Soziales, Transformation und Digitalisierung. (bon)
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